Das Bild zeigt viele kleine verschiedenfarbige Rahmen - es steht für die vielen Sichtweisen der Menschen.

Warum wir alle manchmal aus unserer kleinen Welt ausbrechen sollten!

Obwohl jeder von uns auf dem selben Planeten lebt, existieren wir doch alle in unserer eigenen kleinen Welt, gesteuert durch soziale und gesellschaftliche Konventionen, die uns zu voreingenommenen Menschen macht.

Du denkst dir gerade, was redet sie eigentlich? Und das ist total legitim, denn diese Voreingenommenheit oder auch verzerrte Wahrnehmung sehen wir nicht als solche an, beziehungsweise ist sie uns nicht als solche bewusst.

„Failing to recognize your own cognitive biases is a bias itself.“ (Arvid Brobeck)

Aber lasst uns am Anfang starten. Im vergangenen halben Jahr habe ich es irgendwie geschafft, zwei Ausbildungen simultan zu „studieren.“ Währenddessen ich mich durch mein erstes Semester des Content Strategy Studiums kämpfte, absolvierte ich meine 200 Stunden Yogalehrerausbildung. Im letzten halben Jahr habe ich auch gedacht, dass diese Ausbildungen absolut gar nichts mit einander zu tun haben, bis ich bei unserem letzten Präsenzwochenende in der User Research und UX-Design Stunde von Arvid Brobeck saß. Wieso sich das Blatt gewendet hat, möchte ich euch hier erzählen:

Wir sind alle „biased“

Ja, wir sind voreingenommen, haben ein verzerrte Wahrnehmung auf viele verschiedene Arten und jeder auf seine eigene Art und Weise. Die Erziehung unserer Eltern, die Kultur in der wir leben, das soziale Umfeld mit dem wir uns umgeben, unsere Freunde, Influencer oder Vorbilder zu denen wir im Laufe unseres Lebens aufsehen, all das führt zu unserer ganz eigenen Sichtweise auf das Leben.

Voreingenommenheit & UX-Design

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Wenn wir eine User Journey, eine Applikation oder sonstiges für einen Kunden designen, dann sollte uns diese Voreingenommenheit, Verzerrung oder eben diese einseitige Sichtweise bewusst sein. Arvid Brobeck hat dabei 10 soziale, sogenannte Biases genannt, die unsere Entwicklung, unser Denken und Handeln beeinflussen.

01 Survivorship Bias
Der Survivorship Bias bezieht sich auf die Tendenz, sich immer auf die Gewinner zu fokussieren und diesen Nachzueifern um von ihnen zu lernen. Dabei vergessen wir die Verlierer, die denselben Prozess durchlaufen sind.

02 Availability Heuristic
Der Availability Heuristic Bias bezieht sich auf einen gängigen Fehler unseres Gehirns. Wir nehmen an, dass die Beispiele, welche uns als Erstes in den Sinn kommen, auch die wichtigsten sind.

03 Anchoring
Menschen verlassen sich zu sehr auf die Informationen die sie als Erstes hören. Ein gutes Beispiel dafür sind Lohnverhandlungen. Die Partei, die zuerst Gehaltsvorstellungen offeriert, bestimmt dabei den angemessenen Rahmen der Verhandlungen.

04 Loss Aversion
Loss aversion bezieht sich auf unsere Tendenz, Verluste stärker zu vermeiden als Gewinne als solches anzuerkennen. Wenn jemand 10 Euro erhält, wird er eine kurz anhaltende Freude verspüren, der Verlust dieser 10 Euro würde hingegen verhältnismäßig eine größere Enttäuschung in uns hervorbringen. Die Enttäuschung über den Verlust von 10 Euro wäre in diesem Fall größer als die Freude über die geschenkten 10 Euro.

05 Bandwagon Effect
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch etwas gut findet hängt stark davon ab, wie groß die Anzahl der Anhängerschaft davon bereits ist. Das ist eine sehr mächtige Form des Gruppendenkens und auch der Grund, warum Meetings oft unproduktiv sein können.

06 Choice supportive
Wenn man eine Entscheidung trifft, sieht man dabei oft nur das positive, obwohl einem bewusst ist, dass es auch Mängel haben könnte. Zum Beispiel spricht jeder Hundehalter nur in höchsten Tönen von seinem Hund, auch wenn er ab und zu jemanden beißt.

07 Clustering Illusion
Die Tendenz, Muster in willkürlichen Geschehnissen zu sehen. Das ist der Schlüssel zu vielen Trugschlüssen zum Beispiel im Glücksspiel. Ein Beispiel dafür ist der Glaube, dass die Farbe Rot auf dem Roulettetisch höchstwahrscheinlich nicht fällt, nachdem bereits eine Serie an Rot gefallen ist. Du denkst bestimmt nicht so, oder? Teste es doch bei deinem nächsten Casinobesuch und beobachte deine Gedanken. 😉

08 Confirmation Bias
Wir Menschen tendieren dazu in einem Gespräch nur die Informationen zu hören, die unsere Vorurteile bestätigen. Einer der vielen Gründe, warum es so schwierig ist, intelligente Konversationen über den Klimawandel oder auch Politik zu führen.

09 Conservatism Bias
Wenn bestehende Beweise einen höheren Stellenwert haben als neue Beweise oder Informationen. Zum Beispiel war die Menschheit bereits in der Geschichte sehr langsam darin, neue Erkenntnisse anzunehmen. Lange Zeit wollten die Menschen nicht akzeptieren, dass die Erde rund ist. Die Menschheit wollte sich der bestehenden Erkenntnis, dass die Erde flach ist, nicht abkehren. Vielleicht weil die Veränderung uns Angst macht?

Arvid Brobeck’s Ziel war es, dass wir schlicht und einfach unser eigenes Köpfchen einschalten, Dinge hinterfragen und dass wir nicht nach Beweisen in bereits etabliertem Wissen suchen und unsere Arbeiten nicht auf falschen Annahmen basieren.

Die Unwissenheit im Yoga

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Anders als von vielen angenommen ist Yoga nicht nur simples Körpertraining. Yoga trainiert unseren Körper, unseren Geist und die Seele, mit dem ultimativen Ziel der Erleuchtung. Während ich persönlich kein Fan von dem Wort Erleuchtung bin, da ihm etwas sehr esoterisches anhaftet, bedeutet Erleuchtung lediglich das Verständnis und die Akzeptanz, ein Teil des großen Ganzen zu sein.

Wenn ich es mit der Quantenphysik erklären darf, dann bedeutet es, dass wir alle schlichtweg nur Energie sind.

Um diesen Zustand der Erleuchtung zu erfahren, folgen Yogis einem achtgliedrigen Pfad, der unter anderem auch die körperliche Aktivität, beinhaltet. Wie alles im Leben, ist auch dieser Pfad nicht allzu einfach zu begehen. Die Yoga Philosophie definiert dabei fünf sogenannte Kleshas, fünf Ursachen für das Leid, die uns daran hindern, die Erleuchtung zu finden.

Nährboden für Leid und eine der fünf Kleshas ist „Avidya“. Avidya ist Sanskrit und bedeutet im weitesten Sinne falsche Annahme oder Unwissenheit. Avidya ist die Verwechslung von dem was bedeutsam und nachhaltig für uns ist, mit dem was wir –aufgrund von sozialen und kulturellen Konventionen – glauben, was bedeutsam für uns ist.

Siddharta Gautama sagte einmal: Töte deine Eltern ­– aber bitte nicht wortwörtlich sondern figurativ. Währenddessen das sehr harsch klingen mag, implizierte Siddharta, dass wir uns von den Konventionen die uns von unseren Eltern mitgegeben wurden, lösen sollen. Wir sollen diese Konventionen nicht als Gegeben hinnehmen sondern vielmehr hinterfragen. Denn im Yoga ist Wissen, das nicht selbst erfahren wurde, kein wahres Wissen. Angeeignetes Wissen und mitgegebene Konventionen können eben zu diesen falschen Annahmen führen.

Ein Beispiel dafür ist die weitverbreitete Angst vor Schlangen. In unseren Breitengraden gibt es so gut wie keine Schlangen, beziehungsweise keine giftigen und trotzdem haben so viele Menschen Angst davor. Erst diese Angst lässt falsche Annahmen zu. Du siehst im Dunkeln eine geschlängelte Linie vor dir auf dem Boden und denkst sofort an eine Schlange, stimmts? Was da liegt, könnte aber auch einfach nur ein Seil sein. Und wer bitte hat Angst vor Seilen? Diese falsche Annahme hat dich aber vielleicht am Weitergehen gehindert, hat unbegründet deinen Adrenalinspiegel hochsteigen lassen und dich in einen Stresszustand versetzt… think about it next time!

Egal also ob im UX-Design, im Yoga oder einfach nur in unserem Leben; wir sollten gegebene Dinge, etabliertes Wissen oder einfach manchmal unsere individuelle kleine Welt hinterfragen.

Reality exists in the human mind!

3 Comments

  1. Philipp

    Hallo Lisa,
    in Bezug auf Konventionen zeigst du einen interessanten Punkt auf. Ich würde diesen noch weiter fassen und es auch auf den Freundeskreis, das Arbeitsumfeld – eigentlich alle sozialen Kontakte ausweiten. Ich glaube, dass Konventionen uns einschränken und auf eine gewisse Art und Weise auch der Fähigkeit berauben gut und böse zu unterscheiden. Wie ich mich von Konventionen befreie wüsste ich nicht, glaube aber, dass das Bewusstsein darüber ein erster Schritt ist.

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  2. jupidu

    Interessanter Post – und ja, es ist unendlich schwer, dass wir Menschen uns weiterentwickeln. Damit habt Ihr Euch als ContentstrategInnen herumzuschlagen und ich als E-Learning Frau auch. Bis heute habe ich da keine Lösung, außer unendliche Geduld … und da hilft Deine Beschäftigung mit Yoga sicherlich!

    Gefällt 1 Person

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