Mann sitzt auf einem Stuhl im Freien und die Blätter eines Buches fliegen in der Luft.

Reflection-in-Action

„Mach dir Gedanken übers Schreiben und schreibe darüber …“

Wie bitte? Ich wurde gebeten, meinen eigenen Schreibprozess von Blogbeiträgen und Arbeiten zu reflektieren und darüber einen Beitrag zu schreiben. Kurz gesagt erfährt ihr hier, wie aus einer Idee ein Konzept und daraus ein Beitrag wird.

Uns Linkshändern eilt der Ruf voraus, äußerst kreativ zu sein. Das kann ich so nicht beurteilen oder bestätigen aber meine Kreativität ist stark an meine Motorik geknüpft. Jeder Blogbeitrag, jeder Aufsatz, jedes geschriebene Wort entsteht bei mir zuerst mit der Hand, also mit Block und Stift. Egal wie umfrangreich das Projekt auch sein mag, seinen Anfang hat es auf meinem Block. Um kreativ zu denken, brauche ich die Verbindung vom Gehirn zur Hand, zum Stift und zum Blatt Papier auf das ich schreibe.  Das hat mich sogar schon des Öfteren in die missliche und äußerst schmerzhafte Lage einer Sehnenscheidenentzündung gebracht. Hoffentlich komme ich nie auf die Idee ein Buch zu schreiben 😉

Mein Schreibprozess lässt sich also in vier Phasen unterteilen:

1. Die Recherche

Bevor ich überhaupt ein Wort schreibe, beginne ich immer mit einer anfänglichen Recherche zum Thema, das ich im Beitrag behandle. Dabei frage ich mich, was ich aus meinem Wissensschatz ziehen kann und wo es noch weiterer Recherche bedarf. Leider tendiere ich manchmal zum Perfektionismus, deshalb genügt es mir oft nicht, nur eine Quelle zu haben. Ich hole mir gerne Informationen aus mehreren Quellen ein um mir ein holistisches Bild machen zu können. Das führt dazu, dass ich mich schon zu Beginn meines Schreibrozesses verliere, mich verzettle und schon Zweifel aufkommen bevor ich überhaupt angefangen habe zu schreiben.

Ich kenne mich jedoch schon so gut, dass ich weiß, dass ich genau zu diesem Zeitpunkt anfangen muss zu schreiben. Ich habe mir schon genügend Hintergrundwissen angeeignet, oft hemmt mich nur die Angst – doch noch zu wenig zu wissen – davor anzufangen. Diese kleine Hürde vor dem ersten Wort gibt es dann jedes Mal aufs Neue zu überwinden. Und jedes Mal aufs Neue kann dies sehr deprimierend sein.

2. Der Schreibprozess

Sobald ich das erste Wort geschrieben habe, kann ich meinen Schreibprozess als recht flüssig beschreiben. Ich starte meist mit der Headline und gehe direkt über zur Einleitung. Die restliche Struktur des Beitrags inklusive Sub-Headlines ergibt sich während dem Schreiben. Selten ändere ich die Headline oder die Einleitung im Nachhinein. Mein Ideenfluss wird nur durch ein gelegentliches Durchstreichen gestört, wodurch meine handgeschrieben Version für Außenstehende wohl etwas chaotisch zu schein vermag. Für mich ist es wohl eher das geordnete Chaos meiner Kreativität.

mindfulcontent-scribble

Tatsächlich schaffe ich es, immer den Überblick zu behalten. Nur ab und zu kann es dann doch passieren, dass ich beim Abtippen meine eigene Handschrift nicht mehr lesen kann. Dann war ich wohl zu tief in den Schreibprozess vertieft. Gerne vergesse ich beim Schreiben nämlich alles um mich herum.

In meiner handgeschriebenen Version gebe ich auch schon die Struktur meines Textes vor, indem ich Platzhalter für Bilder einbaue.

mindfulcontent-struktur

3. Die Digitalisierung & das erste Redigieren

Nachdem ich den gesamten Text auf Papier gebracht habe, werden meine Worte digitalisiert. Dies ist jedoch kein reines Abtippen; oft werden Sätze verändert, Worte ersetzt oder sogar ganze Absätze abgeändert oder gelöscht. Das Abtippen ist also gleichzeitig auch ein erstes Redigieren meines Textes. Das Abschreiben und Umändern geht dann normalerweise recht schnell. Während ich in der Schreibphase absolut konzentriert bin, höre ich beim Abtippen gerne eine ruhige Musik.

4. Das Formatieren und zweites Redigieren

Nachdem ich die Endversion bereits in meinem CMS System eingetippt habe, füge ich der digitalen Version die vorher festgelegte Struktur hinzu und mache mich auf die Suche nach einem passenden Beitragsbild. Dies kann wiederum einige Zeit in Anspruch nehmen, da mir ein passendes, aussagekräftiges Beitragsbild sehr wichtig ist. Im Allgemeine ist mir die Ästhetik meiner Beiträge wichtig. Der fertige Blogbeitrag wird dann ein zweites Mal von mir durchgelesen und auf Fehler kontrolliert. Da ich mich oft mehr um die Kreativität meiner Worte kümmere, entgeht mir auch beim zweiten Redigieren der ein oder andere Rechtschreib- oder Tippfehler. Die Beistrichsetzung und ich sind sowieso keine Freunde, wie du vielleicht schon gemerkt hast. Ich bezeichne mich hier gerne als Freigeist, und das als Tochter eines Deutschlehrers ;).

Bei sehr wichtigen Arbeiten drucke ich die Endversion gerne aus. Ich habe das Gefühl, auf gedrucktem Papier die Fehler besser zu entdecken.

Nous y voilà.

One Comment

  1. jupidu

    Finde ich total spannend und könnte ich nie! Ich kritzle gerne, doch ich liebe es beim digitalen Schreiben, dass ich beliebig herum schieben kann. Blöcke neu ordnen. Die Struktur entsteht erst während des Schreibprozesses …

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